Geländewagen P3

Die Entstehungsgeschichte des Geländegängigen PKW P3:

Vorgänger des P3 war der P2M, der in den 1950er Jahren entwickelt und produziert wurde.

Ende der 1950er Jahre entwickelte das Fahrzeugwerk in Zwickau/ Hohenstein Ernsttal einen speziell für militärische Aufgaben gedachten geländegängigen Pkw, der die Bezeichnung P3 erhielt. 

Zunächst wurde der P3 im VEB Kooperation Karl Marx-Stadt hergestellt (1958 bis 1962). Insgesamt wurden dort ??? Fahrzeuge hergestellt.

Die Produktion übernahm dann während des Jahres 1962 das Automobilwerk Ludwigsfelde.

Nach den Versuchsmustern und den Nullserienfahrzeugen  wurde der P3 in der Zeit von 1962 bis 1965  in Serie gefertigt. Der letzte planmäßig in Serie gefertigte P3 ging definitiv im September 1965 in Ludwigsfelde vom Band. Im Jahr 1965 wurden 1007 P3 in Ludwigsfelde hergestellt (siehe Bild mit dem letzten P3).

Erste Vorserienfahrzeuge sind bereits 1958/59 getestet worden.
Der P3 ist ein dreitüriger Geländewagen für die Aufnahmemöglichkeit von sieben Personen, der P2M hatte fünf Plätze.

Im Gegensatz zur PKW-Sitzweise beim P2M saßen die Mitfahrer (außer Fahrer und Beifahrer)
längs zur Fahrtrichtung auf zwei Bänken (rechts 3, links 2).

Die ersten P3 sind leicht zu erkennen, da sie noch den feststehenden Kühlergrill aufwiesen und der Kühlerdeckel über der Motorhaube stand.
Eine weitere Besonderheit stellte der verdeckte Tankstutzen dar. Die ersten P3 hatten ein durchgehendes Armaturenbrett mit einem Handschuhfach auf der Beifahrerseite.

Es sollten jährlich 1000 Fahrzeuge produziert werden. Laut bisheriger Recherche wurden 3682 P3 planmäßig hergestellt.
Da es Rahmennummern mit höheren Zahlen (P3-03912, P3-04000) gibt, stellt sich die Frage, ob es sich dabei um Ersatzrahmen handelt, oder ob die hergestellten P3 nicht durchgängig nummeriert wurden. Das ist wohl eher anzunehmen, wobei sich dann die Frage stellt, an welchen Stellen ein Schnitt gemacht wurde (Versuchsmuster, Vorserie, Wechsel Herstellungsort)!
Ende April 2020 meldete sich bei uns ein “Neubesitzer” eines P3 auf unserer Homepage an, der laut Historie seines P3 (Rahmennummer 3994; Erstzulassung September 1995) auf die offenen Fragen einen Hinweis gibt!!!

Auch das Ausland meldete Interesse an dem Geländewagen an, wurde aber nicht beliefert.

Ein Vergleich der taktisch technischen Daten beider Fahrzeuge verdeutlicht das größere Leistungsvermögen des P3, dessen Motor eine Weiterentwicklung des P2M-Antriebs darstellt, wobei der P3 als Kfz eine Neukonstruktion ist.

Das noch heute imposante technische Konzept sagte unter anderem aus:
– ein Sachsenringmotor (6 Zylinder Reihe) mit Alu-Block,
– Drehstabfederung mit Einzelradaufhängung und oben liegenden Lenkstangen,
– Differenzialsperren vorn und hinten sowie
– synchronisierte Getriebe

Vorrangig wurden sie in der NVA in allen Teilstreitkräften und bei den Grenztruppen der DDR in unterschiedlichen Funktionen genutzt.

Neben der Verwendung als Transporter und Führungsfahrzeug gab es den P3 auch als Funk-P3, Werkstattwagen,
Großlautsprecherstation 1500 (GLS 1500), Scheinwerferwagen und als Ladestation.
Als technische Zeichnung habe ich ihn auch als Basisfahrzeug für ein RG und Granatwerfer gesehen.


Der Funk-P3 gehört Gerhard.

Ca. 20 P3 wurden zu Kommandeursfahrzeugen  (Sonder-P3) mit 4 Türen und Kabrio-Verdeck umgebaut.
Von ihnen soll kein Fahrzeug überlebt haben. Derzeit gibt es 4 Sonder-P3 als 4-Türer, die neu aufgebaut wurden.

Die Viertürer wurden in Regie von Matthias und Siegfried nach einer zweijährigen Recherche gebaut. Der hier abgebildete P3 gehört Manfred.

In der NVA wurde der P3 bereits in den 70-er Jahren durch den Gas 69 und später durch den UAS schrittweise ersetzt.
Auch als Spezialfahrzeuge waren sie 1989 noch im Bestand der NVA, häufig nur im Gefechtspark abgestellt. Bei den Grenztruppen liefen sie noch im Planeinsatz. Die “Volkspolizei” und die “Volkspolizei-Bereitschaften” waren nicht mit P3 ausgestattet worden. Höchstens bei den “Kampfgruppen der Arbeiterklasse” können sie im Bestand gewesen sein.

Neben der NVA fanden die P3 auch Verwendung bei der Feuerwehr, dem Zivilschutz, bei den Vermessern.

Häufig wurden ausgesonderte P3 in der Landwirtschaft und der Forst eingesetzt. Insbesondere die Landwirtschaft baute die Fahrzeuge auf Dieselmotoren (Multicar, RS09) um. Die wenigsten Fahrzeuge wurden an Privatpersonen verkauft.

Wie viele P3 davon die Zeit überlebt haben ist nicht bekannt. Offensichtlich sind es jedoch mehr, als angenommen, denn mehr als 30 P3-Besitzer haben wir bereits in M-V ausfindig gemacht.

Auf unserer Homepage haben sich P3-er auch aus den alten Bundesländern angemeldet und 2019 kam ein Besitzer aus der Nähe von Wien dazu. Der entfernteste mir bekannte P3 fährt in Afrika (Namibia).
Ich habe im Oktober 2020 die traurige Nachricht erhalten, das der P3-Besitzer leider verstorben ist. Der Enkel will nun den P3 wieder zurück nach Deutschland holen, da der P3 seines Großvaters ihm viel bedeutet!

Viele P3 stehen noch abgestellt und sind nicht fahrbereit. Im Straßenbild sieht man sie selten, doch bei Treffen ist die Tendenz zum Glück steigend.

In dieser Rubrik möchten wir über die Entstehung und die Historie des P3 berichten, informieren, diskutieren.
Somit soll sich diese Rubrik entwickeln, denn es gibt wohl kaum das perfekte Wissen, sondern vielmehr einen kleineren Kreis von Interessierten und Begeisterten des P3.

Dabei gibt es auch in dieser kleinen „Gemeinde“ durchaus unterschiedliche Auffassungen, Informationen und Wissensstände. Für konstruktive Beiträge, Informationen und Material sind wir dankbar.

Hier ein Video zu unserem P3: https://www.youtube.com/watch?v=KHMbjtCS7fo

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